Gleitsichtgläser von nah bis fern

 

Gleitsichtgläser

Diese Gläser müssen eine technische Meisterleistung vollbringen:

Sie sollen gleichzeitig Kurz- oder Weitsichtigkeit korrigieren - und ihrem Träger auch auf alle Distanzen zwischen Ferne und Nähe scharfe Sicht gewähren. Kein Kinderspiel: Denn dazu werden mehrere Zehntausend Flächenpunkte pro Glasfläche auf 1/100 dpt exakt berechnet und aufgeschliffen.

Um im Nahbereich besser sehen zu können, ist eine Zunahme der Stärke (Dioptrien) im Brillenglas notwendig. Gleitsichtgläser sind deshalb im unteren Sehbereich stärker gekrümmt, hier liegt der Lesebereich. Die obere Hälfte des Glases dient der Fernsicht, und der schmale Abschnitt zwischen beiden ist der sogenannte Übergangs- oder auch Progressionsbereich. Die Sehrbereiche sind dabei so berechnet, dass sie im Alltag maximalen Sehkomfort genießen können - für spezielle Sehsituationen z.B. am Computerbildschirm bedarf es manchmal eines speziellen Arbeitsplatzglases.

An den Rändern dieser Progressionsbereiche kommt es zu fertigungsbedingten zu Unschärfen die - je nach Qualität des Gleitsichtglasdesigns und den eigenen Nahstärken unterschiedlich stark ausfallen können.
(tja, Optik ist ein Teil der Physik und manche Naturgesetze kann man einfach nicht umgehen)

bitte beachten Sie:
2008 hat die Eidgenössisch Technische Hochschule Zürich die bisher umfangreichste Verträglichkeitsstudie für Gleitsichtgläser durchgeführt.

Zum Ergebnis.

Warum werden wir überhaupt "Altersweitsichtig"?

Ab dem 40. Lebensjahr lässt bei den meisten Menschen die Fähigkeit nach, in der Nähe scharf zu sehen - ein ganz natürlicher Vorgang.

Um diesen Vorgang zu verstehen, ist es wichtig zu wissen, wie scharfes Sehen funktioniert: Ähnlich wie bei einem Fotoapparat müssen unsere Augen für die verschiedenen Distanzen "scharfgestellt" werden, dazu braucht das Auge mehr Plus-Stärken. Je dichter ein Objekt vor dem Auge liegt, umso mehr Stärke ist nötig das Objekt scharf zu sehen.

Unser Auge besitzt eine "verstellbare" Augenlinse, die sich je nach Objektentfernung durchwölben soll (Akkomodation) - bei der Alterssichtigkeit - auch Presbyopie genannt - ist die Elastizität der Augenlinse eingeschränkt, d.h. sie ist hart geworden und der Augenmuskel kann die Augenlinse nicht mehr entsprechend wölben. Erstes Anzeichen: Beim Lesen haben Sie die Gewohnheit, das Buch oder die Zeitung weiter weg zu halten - bis es schließlich nicht mehr weiter geht.

Anfangs wird Ihnen bereits eine einfache Lesebrille für den Schärfenbereich von ca. 40 cm helfen. Für Einsatzbereiche mit vielen Distanzen sind Mehrstärken- oder Gleitsichtgläser angenehmer.

Wie unterscheiden sich Gleitsichtglasqualitäten?

Generell gilt:

Je mehr Rücksicht das Gleitsichtdesign auf die individuellen Eigenschaften seines Trägers nimmt, desto störungsfreier und entspannter ist das Sehen.

Die besten und modernsten Gleitsichtgläser berücksichtigen neben den eigenen Brillenglasstärken noch die Position der Gläser vor den Augen - dazu gehört der Abstand Brille Auge, die sogenannte Vorneigung, die Durchbiegung und natürlich auch der eigene Augenabstand.

Die Unterschiede zu einem Standardgleitsichtglas sind durchaus gravierend: deutlich kürzere Eingewöhnungszeit, weniger Bewegungen des Kopfes, insgesamt ein natürlicheres, großflächigeres Sehen in allen Bereichen - für bequemes Lesen, sicheres Autofahren und ermüdungsfreies Arbeiten.

einfaches Gleitsichtglas

Der Glashersteller berücksichtigt nur die Glasstärken bei der Berechnung des Glases. Meist wird auch nur eine Gleitsichtfläche auf die Innen- oder Aussenseite des Glases aufgeschliffen. Oft werden rechtes und linkes Glas nicht auf einander abgestimmt.

Die hierbei eingeschliffenen Sehbereiche sind schmaler. Das bedeutet reduzierten Sehkomfort vorallem im Zwischenbereich und eine etwas längere Eingewöhnungszeit.

gute Eignung bei diesen Voraussetzungen:

  • Sphäre bis ca. +/- 4,00 Dioptrien
  • Zylinderwirkung nicht größer als +/- 0,75 Dioptrien
  • Nahwirkung bis + 1,25 Dioptrien
  • Augenabstand um 64 mm (+/- 2,0 mm)

unsere Glastypen:

  • Rodenstock Progressiv free life
  • OptiSwiss be 4ty+ und be 4ty+ HD0
Universelles Gleitsichtglas

Beide Gläser werden auf einander abgestimmt, dabei wird meist der eigene Augenabstand bei der Glasberechnung berücksichtigt. Meist werden Innen- und Außenseite des Gleitsichtglases mit einer Gleitsichtfläche versehen.

Dabei werden alle Sehbereiche gut nutzbar und verfügen über große Sehfelder. Das bedeutet guten Sehkomfort und eine hohe Spontanverträglichkeit.

bessere Eignung bei diesen Voraussetzungen:

  • Sphäre auch deutlich über +/- 4,00 Dioptrien
  • Zylinderwirkung bis ca. +/- 1,25 Dioptrien
  • Nahwirkung bis + 2,00 Dioptrien
  • Augenabstand weicht deutlich von 64 mm ab

unsere Glastypen:

  • Rodenstock Multigressiv Myview
  • OptiSwiss be 4ty+ HD1
Individuelles Gleitsichtglas

Maßangefertigte, individuelle Gleitsichtgläser bieten die größtmöglichen Sehbereiche und den spontan höchsten Sehkomfort. Hierbei werden meist alle heute zur Verfügung stehenden Erkenntnisse bei der Glasberechnung berücksichtigt.

Nur soviel sei erwähnt, neben der Glasstärke und dem Augenabstand wird berücksichtigt: Vorneigung der Brille, Fassungsscheibenwinkel, Hornhaut-Scheitelabstand, Listingsche Regel (Achsveränderungen bei Blickbewegungen des Auges), individuelle Zonenhöhe für Ferne, Zwischenbereich und Nähe - u.v.m.

Die vielen zusätzlichen Parameter sind nur sinnvoll mit einem VideozentrierSystem zu ermitteln, da sie ansonsten nur sehr schwer oder gar nicht zu messen sind. 

bitte beachten Sie:
Das Einmessen diesen Glastypes sollte unbedingt mit einem Videozentriersystem erfolgen!

noch bessere Eignung bei diesen Voraussetzungen:

 

  • Sphäre deutlich über +/- 6,00 Dioptrien
  • Zylinderwirkung auch über +/- 1,50 Dioptrien
  • Nahwirkung größer als + 2,25 Dioptrien
  • Augenabstand weicht deutlich von 64 mm ab
  • prismatische Wirkungen
  • spezielle Einsatzbereiche (mehr Nah- oder Fern-Profil)
  • Mittendicken-Optimierung

unsere Glastypen:

  • Rodenstock Impression (Freesign, Hyperop, Myop, Sport)
  • OptiSwiss be 4ty+ HD5